Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Reden bauen, Bilder basteln? Die rhetorischen Produktionsstadien – Dritte Sitzung des Seminars “Text-Bild-Rhetorik” an der Muthesius-Kunsthochschule

So fängt es an: oben eine Denkblase, in der Mitte zwei suchend geöffnete Augen, zwei Hände greifen nach unten. Und so vollendet es sich: oben eine Sprechblase und ein sympathisch lächelndes Gesicht, unten das Publikum, zwei Hände greifen weit aus.

So einfach und raffiniert veranschaulichte eine Seminarteilnehmerin die Ideensuche für eine Rede (inventio) und deren Vortrag (actio). Ähnlich sinnfällig erscheinen die drei Produktionsstadien dazwischen: Man muss die gefundenen Ideen gliedern (dispositio), ausgestalten (elucutio) und sich schließlich den fertigen Text einprägen (memoria), denn abgelesen wurde nicht in antiken Rede-Arenen.

Dieses “Stadienmodell“ der Redeproduktion hat sich “über die Jahrtausende als praktikabel erwiesen“ und ist “insofern semiotisch [=zeichentheoretisch] universell, als [die Stadien] bei jeglicher Produktion und bei jeglichem Gebrauch von Texturen (der Musik-, Sprach-, Bildzeichensysteme usw.) ins Spiel kommen können“. Meint jedenfalls Joachim Knape in einem grundlegenden Artikel zur “Bildrhetorik”. 1 Doch auch wenn sich das Modell mit modernen Bildzeichen wie Sprech- und Denkblasen illustrieren lässt – ist es wirklich noch einschlägig für das Verfertigen rhetorischer Bildwerke heute?

„Reden bauen, Bilder basteln? Die rhetorischen Produktionsstadien – Dritte Sitzung des Seminars “Text-Bild-Rhetorik” an der Muthesius-Kunsthochschule“ weiterlesen
  1. Joachim Knape (2005): Bildrhetorik. In: Klaus Sachs-Hombach (Hg.): Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden. Frankfurt a.M., S. 134–148, hier 144, vgl. Gert Ueding/Bernd Steinbrink (52011): Grundriß der Rhetorik. Geschichte, Technik, Methoden. Stuttgart, S. 210.[↩]